Wer sich einmal wirklich in das frühere Leben der Bergleute im Harz versetzen möchte, der sollte sich zu einer Entdeckungstour in das Oberharzer Bergbaurevier begeben. Während in den Bergwerksmuseen des Harzes sich die Unterwelt recht bequem entdecken lässt auf gut ausgebauten und beleuchteten Strecken, ist dies bei Entdecker- und Abenteuertouren ganz anders.

Untertagewelt entdecken
In und um Clausthal-Zellerfeld gibt es spannende Möglichkeiten, die Geschichte des Harzer Bergbaus zu erleben. Über Tage führen die Welterbe-Entdeckerwege durch das Revier. Anhand von QR Codes kann man individuell die wichtigsten Informationen abrufen und erhält ein Gefühl dafür, wie es vom 16. bis 19. Jahrhundert dort zuging.
Bei den Entdeckertouren werden die Besucher in Stollen geführt, die noch authentisch und nicht sonderlich ausgebaut sind. Mit Kopflampe, Helm, Öljacke und Wathose ausgestattet geht es in kleinen Gruppen in die Dunkelheit.

Entdeckertour Altensegener Rösche
Die rund zweistündige Untertagetour erfordert von den Teilnehmern gute körperliche Fitness und keine Angst vor engen, dunklen Räumen. Teils im Kriechgang folgen die Besucher den Spuren des Oberharzer Bergbaus. Gut ausgestattet in bergmännischer Kluft geht es zunächst über eine etwa 660 Meter lange Strecke vom Mundloch durch die Altensegener Rösche in die so genannte runde Radstube und weiter bis in die ovale Radstube des oberen Thurm Rosenhöfer Treibschachts.
Was in der Fachwelt als schönste Dimensionen des Altbergbaus Deutschland gilt, wird auch dem Laien bewusst. Denn die gewaltigen Radstuben von 22 bzw. 24 Metern Höhe beeindrucken und erstaunen jeden Besucher.
Die Altensegener Rösche ist vermutlich der älteste Wasserlösungsstollen im Clausthaler Revier. Bereits 1552 wurde diese als „Nasser Stollen“ urkundlich erwähnt. Bei der Abenteuer-Tour wird auf eindrucksvolle Weise deutlich, welche Höchstleistung die Bergleute des Harzes vor fast 500 Jahren vollbracht haben. Während der Abenteuertour wird auch die Geschichte des Bergbaus im Oberharz erläutert und an authentischen Orten die Arbeitstechniken der Bergleute gezeigt.

Das beeindruckende Bergbau-Erlebnis erfordert aufgrund der Tiefe, Enge, Nässe, Kälte und Schmutz neben guter körperlicher Konstitution auch Mut und Nervenstärke. Diese „bergmännische Befahrung“ ist sicher für manch einen Teilnehmer eine Grenzerfahrung, doch gehören die Touren zu den einmaligsten und aufregendsten unter Tage Erlebnissen, die Deutschland zu bieten hat.
Es gibt leichte bis schwere Touren. Teilweise geht es über mehrere Stunden durch das Stollennetz, müssen Teile im Kriechgang überwunden oder durch knietiefes Wasser gewatet werden. Das ist nicht für jedermann zu empfehlen.
Doch wer einmal eine dieser besonderen Touren mitgemacht hat, der wird Ehrfurcht vor unseren Vorfahren spüren. Es ist schon erstaunlich, welche Meisterleistungen quasi ohne technische Hilfsmittel erbracht wurden. Die Arbeitsbedingungen unter Tage wären heute undenkbar.
Das Oberharzer Bergwerksmuseum bietet die Entdeckertouren zu bestimmten öffentlichen Terminen oder auch als Sonderveranstaltung für Gruppen an.

